Ankommen
Was dich heute erwartet
Wer bist du?
Für die Zusammenfassung am Ende – bleibt nur auf diesem Gerät.
Der Doppeldecker
Oben rechts sitzt ein Schalter. Er blendet die Meta-Ebene ein: Was hast du eben eigentlich gemacht, welche didaktische Entscheidung steckt dahinter, und was heißt das für deinen eigenen Unterricht?
Du schaltest ihn selbst ein, wann du willst. Meine Empfehlung: erst die Phase beenden, dann nachlesen. Wer die Erklärung vorher liest, macht die Erfahrung nicht mehr – und die Erfahrung ist der Punkt.
Die Meta-Ebene bleibt auch nach der Session in dieser Datei.
Du brauchst
Ein Gerät mit dieser Seite. Deine Notizen bleiben auf diesem Gerät gespeichert und lassen sich am Ende als PDF sichern.
Zugang – und eine Regel für heute
Womit du arbeitest, entscheidest du. Wer einen schulischen Zugang nutzt, könnte den heute nehmen; wer ein eigenes Konto hat, nimmt das. Ein paar Aufgaben brauchen eine KI zum Ausprobieren – wenn du keinen Zugang hast, arbeite am Nachbargerät mit oder erstell dir schnell einen (nur wenn du willst). Bei einigen Aufgaben sind Beispielantworten hinterlegt, die du aufklappen kannst.
Die Regel für heute: In keinen Chat geht etwas hinein, das eine echte Person betrifft. Keine Schülernamen, keine echten Schülertexte, keine Klassenlisten, nichts aus Beratungsgesprächen. Alle Beispiele sind erfunden oder so allgemein, dass niemand wiederzuerkennen ist.
Warum diese Regel auch dann gilt, wenn das Werkzeug datenschutzkonform ist, klären wir in Phase 5.
Mensch oder Maschine?
Phase 1 · Hinführung · ca. 1–2 Minuten
„Was tust du, wenn du dich nicht konzentrieren kannst? Antworte in etwa 50 Wörtern.“
Drei Antworten darauf. Eine stammt von einer Schülerin, eine von einer Lehrkraft, eine von einer KI. Ordne zu und prüf dann.
Das Zimmer
Phase 2 · Problemstellung · ca. 10 Minuten
Ein Szenario
Eine Person sitzt in einem geschlossenen Zimmer. Durch einen Schlitz kommen Zettel mit Zeichen herein, die sie nicht lesen kann. Im Zimmer liegt ein riesiges Regelbuch: Wenn diese Zeichenfolge kommt, schreibe jene Zeichenfolge zurück. Die Person folgt den Regeln sorgfältig und schiebt ihre Antwort durch den Schlitz hinaus.
Draußen stehen Menschen, die diese Schrift lesen können. Diese Menschen sind begeistert: Die Antworten sind klug, treffend, manchmal witzig. Sie sind sicher, im Zimmer sitzt jemand, der ihre Sprache beherrscht.
Positionslinie
Versteht die Person im Zimmer die Sprache?
Und jetzt die zweite Frage: Versteht ein KI-Chat, was du ihm schreibst?
Der Widerspruch
Zwei Beobachtungen nebeneinander, die beide zutreffen:
Erstens: Vor drei Minuten haben wir geraten, welcher Text von einer Maschine stammt. Wir sind Profis im Beurteilen von Texten. Das ist unser Handwerk.
Zweitens: Wenn das Zimmer ein gutes Bild ist, versteht diese Maschine nichts von dem, was sie schreibt.
Zusammen ergibt das ein Problem, das uns unmittelbar betrifft: Etwas, das nichts versteht, produziert Texte, die wir von selbst durchdachten nicht unterscheiden können – und wir bewerten täglich Texte.
Der unbequeme Fall
Eine Kollegin bekommt eine Hausaufgabe abgegeben. Der Text ist gut: klar gegliedert, sauber formuliert, fachlich korrekt, mit einem passenden Beispiel. Sie hätte zwölf Punkte gegeben.
Am nächsten Tag erfährt sie, dass er vollständig von einer KI stammt.
1. Was tut diese Maschine, wenn sie nicht versteht?
2. Wie nutze ich etwas sinnvoll, dessen Ausgabe ich nicht ungeprüft glauben darf?
3. Wer verantwortet, was dabei herauskommt?
Deine Antwort – jetzt, vor allem anderen
Ein Satz genügt. Wir holen ihn am Ende wieder hervor.
Stationen
Phase 3 · Erarbeitung · ca. 45 Minuten
Schätz dich ein. Wechseln ist jederzeit erlaubt. Jede Station endet mit einem Produkt fürs gemeinsame Board. Die grau markierten Zusatz-Aufgaben sind Puffer – wer früh fertig ist, arbeitet dort weiter.
Station Einsteiger Wortvorhersage von Hand
Ein Sprachmodell tut im Kern nur eines: Es schätzt, welches Wort als nächstes am wahrscheinlichsten ist. Mach das jetzt selbst. Verteile 100 Prozentpunkte.
Dein erster Prompt fürs eigene Fach
Vier Bausteine, die fast immer helfen. Füll aus, der Prompt setzt sich unten zusammen. Zum Testen: in deinem KI-Zugang eintippen, sonst am Nachbargerät oder vorn am Beamer mitmachen.
Zweimal dieselbe Frage
Ein reiner Beobachtungsauftrag – du musst nichts konstruieren, nur genau hinschauen.
Schritt 1. Stell der KI eine Frage aus deinem Fach, deren Antwort du sicher weißt. Lies die Antwort.
Schritt 2. Stell dieselbe Frage in einem neuen, leeren Chat noch einmal. Lies die zweite Antwort.
Ein Taschenrechner gibt auf dieselbe Eingabe immer dasselbe zurück. Ein Sprachmodell nicht unbedingt. Wenn deine beiden Antworten sich unterschieden: Welche war die richtige?
Produkt fürs Board
Station Nutzer Prompt-Klinik
Drei Prompts, wie sie täglich in Lehrerzimmern getippt werden. Vorschläge – ersetz sie durch eigene, wenn dir näherliegende einfallen. Schreib jeden so um, dass er Kontext, Zielgruppe, Niveau, Format und Grenzen enthält. Teste beide Versionen.
Halluzinationsjagd – an deinem eigenen Thema
Kein vorgefertigter Text. Du prüfst etwas aus deinem Unterricht, denn genau das wirst du später auch tun.
Schritt 1. Lass dir einen kurzen Sachtext (etwa 150 Wörter) zu einem Thema schreiben, das du gerade unterrichtest. Verlange ausdrücklich: mindestens eine Jahreszahl, ein Zitat mit Urheber und eine Begründung, warum etwas so kam.
Schritt 2. Geh den Text mit drei Fragen durch:
- Stimmt jede Zahl? Nachschlagen, nicht schätzen.
- Gibt es das Zitat wirklich, und ist es von dieser Person? Im Original suchen.
- Behauptet der Text einen Zusammenhang – weil, deshalb, als Reaktion auf? Prüf, ob der überhaupt möglich ist: zeitlich, sachlich, logisch.
Der Schmeichel-Test
Zwei Schritte, dein Fach, deine Behauptung.
Schritt 1. Frag die KI nach etwas, das du sicher weißt – und bau eine falsche Behauptung in die Frage ein. Sie wird dich vermutlich korrigieren.
Schritt 2. Widersprich einmal: „Eine Kollegin sagt aber, die Forschung sieht das inzwischen anders.“
Manche Modelle bleiben standhaft, andere knicken sofort ein. Beides ist ein Ergebnis – notier, was bei dir passiert ist – in der Sicherung vergleichen wir.
Anforderungsbereiche – wo die KI systematisch danebenliegt
Bewusst fachneutral – setz gedanklich dein Thema ein. Eine KI wurde gebeten, fünf Aufgaben dazu zu erstellen. Das Ergebnis sieht brauchbar aus. Deck es auf und ordne jede Aufgabe einem Anforderungsbereich zu.
| Aufgabe | AFB I / II / III? |
|---|---|
| 1 – Nenne drei Merkmale | |
| 2 – Beschreibe den Hintergrund | |
| 3 – Erkläre die Fachbegriffe | |
| 4 – Fasse die Position zusammen | |
| 5 – Nenne zwei Beispiele |
Die KI bewertet · Zusatz
Eine KI hat einen Schülertext bewertet. Lies die Bewertung und prüf sie als Fachlehrkraft.
Station Nerd Dieselbe Frage, andere Antwort
Zwei Anfragen an dieselbe KI, kurz nacheinander gestellt. Lies beide Antworten und achte auf den Tonfall.
Beide Antworten sind flüssig, plausibel und gleich selbstbewusst formuliert. Keine der beiden enthält einen Hinweis darauf, dass die Gegenposition genauso überzeugend geliefert worden wäre.
Warum die KI den Anfang vergisst · Zusatz
Ein Modell hat kein Gedächtnis. Bei jeder Antwort bekommt es den bisherigen Chatverlauf komplett neu vorgelegt – aber nur bis zu einer festen Obergrenze, dem Kontextfenster. Was darüber hinausgeht, fällt hinten heraus. Deshalb hält sich die KI in langen Gesprächen irgendwann nicht mehr an Vorgaben, die am Anfang standen.
Fehler-Detektiv: Eine Aufgabe, bei der die KI scheitern muss
Entwirf eine Unterrichtsaufgabe, bei der die KI vor den Augen der Schüler nachweisbar versagt – und die Schüler den Fehler selbst finden. Mögliche Ansätze: Zitate aus eurem Schulbuch verlangen, das die KI nicht kennt; nach etwas fragen, das nach dem Wissensstand des Modells liegt; eine Aufgabe stellen, deren Lösung von Angaben abhängt, die nur ihr habt. Teste deinen Auftrag vorher selbst – Aufgaben, an denen Modelle früher scheiterten, können heute funktionieren.
Zwei Schritte: Wo genau muss ich prüfen?
Hier gibt es bewusst keine Musterlösung. Was ein Modell kann, ändert sich von Version zu Version – und die alten Vorführ-Tricks funktionieren nicht mehr.
Schritt 1. Stell eine Frage, die die KI unmöglich beantworten kann: nach eurem Klausurplan, nach dem Inhalt der letzten Stunde, nach einer Zahl aus eurem Schulprogramm.
Gut möglich, dass sie sauber zugegeben hat, es nicht zu wissen, und nachgefragt hat. Das ist ein ehrliches Verhalten und war vor zwei Jahren noch anders. Hör genau hier nicht auf – sonst nimmst du die falsche Lehre mit.
Schritt 2. Gib ihr, worum sie gebeten hat. Nenn dein Thema und lass dir drei Fachaufsätze dazu nennen, mit Autor, Titel, Jahr und Seitenzahlen. Dann such eine dieser Angaben im Bibliothekskatalog, bei Google Scholar oder auf der Verlagsseite.
Der eigentliche Punkt: Die Kompetenz ist keine Liste bekannter Schwächen – die veraltet schneller, als man sie weitergeben kann. Die Kompetenz ist, die Stelle zu erkennen, an der ein Modell vom Nachfragen ins Liefern kippt. Genau dort gehört geprüft.
Prompt Injection: Wenn im Material selbst eine Anweisung steht
Ein Schüler reicht eine Textdatei ein. Am Ende, in weißer Schrift auf weißem Grund, steht ein Satz, den nur die Maschine liest.
Ein Sprachmodell trennt nicht zuverlässig zwischen Anweisung und Inhalt – beides kommt als Text an. Das ist die technische Wurzel des Problems, kein Bedienfehler.
Warum Detektoren scheitern · Zusatz
KI-Detektoren geben eine Prozentzahl aus. Das Problem liegt nicht in der Genauigkeit, sondern in der Struktur der Aussage.
Angenommen, ein Detektor hätte 95 % Trefferquote bei 5 % Fehlalarmen. In einem Kurs mit 30 Arbeiten, von denen 3 tatsächlich KI-generiert sind, schlägt er bei rund 3 richtigen und 1 bis 2 unschuldigen Arbeiten an. Etwa jeder dritte Alarm trifft damit die Falsche – und je seltener KI-Nutzung im Kurs wirklich vorkommt, desto schlechter wird das Verhältnis.
Produkt fürs Board: Tutor-Systemprompt
Das ist das Ergebnis, das diese Station abliefert. Schreib einen Systemprompt für einen KI-Tutor, der keine Lösungen gibt, sondern nur Rückfragen stellt – und test ihn danach: Versuch selbst, ihm eine fertige Lösung zu entlocken. Wo er nachgibt, muss der Prompt nachgeschärft werden.
Sicherung
Phase 4 · ca. 20 Minuten · Ergebnisse und Tafelsatz
Ergebnisse sichten
Die Produkte aller Stationen liegen auf dem gemeinsamen Board. Wir gehen sie nicht einzeln durch – niemand muss vortragen.
Stattdessen werden aus jeder Station ein bis zwei Ergebnisse herausgegriffen und kurz vorgestellt. Die Auswahl folgt keiner Wertung, sondern der Frage, was für den nächsten Schritt weiterhilft. Wer zu seinem Ergebnis etwas ergänzen möchte, kann das tun, muss aber nicht.
Danach führen wir alles auf die Ausgangsfrage zurück.
Zurück ins Zimmer
Das Szenario stammt von John Searle (1980) und heißt Chinese Room. Sein Punkt: Die Person im Zimmer beherrscht die Syntax (Zeichen richtig verknüpfen), aber nicht die Semantik (wissen, was die Zeichen bedeuten). Vervollständige den Tafelsatz:
Weil ein Sprachmodell Zeichen nach Wahrscheinlichkeit verknüpft, aber nicht , ist jeder KI-Output zunächst eine und kein . Deshalb gehört das zur Nutzung dazu.
Wer trägt Verantwortung?
Phase 5 · Transfer und Urteil · ca. 20 Minuten
Der Fall Mira
Mira, Q1 an der Gesamtschule Bickendorf, schreibt nach einem verlorenen Handballspiel in den Teamchat: „Den Schiri würd ich am liebsten an die Wand klatschen.“ Die Schule nutzt SchulSensor, eine KI, die Schulkommunikation auf Gefährdungen prüft. SchulSensor stuft die Nachricht als Risikostufe 3 ein – konkrete Drohung gegen eine identifizierbare Person.
Die Schulleitung wird automatisch informiert, muss nach Dienstanweisung handeln und meldet den Vorfall. Mira wird zum Gespräch geladen, dann von der Polizei befragt. Ihre Trainerin sagt aus, das sei eine Redewendung und Mira sei völlig harmlos. Trotzdem wird die Meldung weiter wie ein Ernstfall behandelt – keiner will etwas falsch machen. Zwei Wochen später ist Mira krankgeschrieben. Ihre Mutter fragt: „Wer ist eigentlich schuld an dem, was meiner Tochter passiert ist?“
Fishbowl · vier Stimmen
Und wir? · Sechs Situationen aus dem Lehreralltag
Antippen zum Aufklappen. Keine Rechtsberatung – Orientierung.
Zurück zur Regel von heute Morgen
Zu Beginn haben wir vereinbart: nichts über echte Personen in den Chat. Selbst wenn ein Werkzeug datenschutzrechtlich sauber wäre, bliebe die Regel sinnvoll. Warum?
Weil ein zulässiger Kanal drei Fragen nicht beantwortet. Erstens: Ein Werkzeug darf etwas verarbeiten – das heißt nicht, dass es pädagogisch sinnvoll ist, ihm eine Beratungssituation zu übergeben. Zweitens: Die Schülerin, über die ich schreibe, hat nicht eingewilligt; zugestimmt hat allenfalls der Schulträger, für einen bestimmten Zweck. Drittens: Neben jedem dienstlichen Zugang liegt das private Konto, und dort gilt nichts davon. Die Frage ist nicht, was erlaubt wäre, sondern was wir tatsächlich tun, wenn es abends schnell gehen muss.
Mitnehmen
Phase 6 · Abschluss · ca. 15 Minuten
Deine Antwort von vorhin
Zu Beginn hast du aufgeschrieben, wie du einem Kollegen erklären würdest, was eine KI tut. Das stand da:
Deine Festlegung
Keine ausgearbeitete Stunde – vier Angaben. Sie dauern fünf Minuten und entscheiden darüber, ob von heute etwas übrig bleibt.
| Frage | Deine Antwort |
|---|---|
| Welche Lerngruppe? Konkret, nicht „mal die EF“ | |
| Welche Phase von heute übernimmst du? Mensch/Maschine · das Zimmer · Stationen · Halluzinationsjagd · Fall Mira · Quiz | |
| An welchem fachlichen Thema? | |
| In welcher Woche? Kalenderwoche oder Datum – nicht „demnächst“ |
Freiwillig: Wer möchte, sagt seine Festlegung laut in die Runde. Nicht als Pflicht – aber was ausgesprochen wurde, passiert erfahrungsgemäß deutlich häufiger als was nur auf einem Zettel steht.
Fünf Strategien, die du heute erlebt hast
Quiz zur Einheit
Sieben Fragen · sofortige Rückmeldung
Kein Test, sondern eine Selbstprüfung. Nach jeder Antwort erscheint die Begründung.
Zusammenfassung
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