Am Tag der Anreise haben wir uns um 6:15 Uhr vor der Gesamtschule Jüchen getroffen, damit wir um 6:30 Uhr nach Weimar fahren konnten. Nachdem wir in den Bus eingestiegen waren, wurden wir vom Busfahrer begrüßt. Die typischen Hinweise wurden angesprochen: Anschnallen, wohin der Müll gehört und ähnliche organisatorische Dinge. Danach sind wir losgefahren. Nach der langen Fahrt und einigen kurzen Pausen kamen wir nach etwa sechs Stunden in Weimar am Hostel an. Nach einer kurzen Absprache der Lehrer mit dem Hostel durften wir in die Zimmer einchecken und unsere Sachen verstauen, bevor wir im Anschluss weiter zum Bauhaus-Museum Weimar gingen.
Dort angekommen, verstauten wir unser Handgepäck, wurden in Gruppen aufgeteilt und durch das Museum geführt. Eine Referendarin unserer Schule, Frau Lorenz, führte in meinem Fall unsere Gruppe. Sie erzählte, dass sie, bevor sie als Referendarin an unsere Schule gekommen ist, eine Zeit lang im Bauhaus-Museum in Weimar gearbeitet hat. Sie berichtete grundlegend über verschiedene Persönlichkeiten, unter anderem über Walter Gropius und Johannes Itten. Walter Gropius war von 1919 bis 1928 Gründungsdirektor des Bauhauses und verfolgte das Ziel, Kunst und Handwerk zu einer neuen Einheit zu verbinden. Er erkannte, dass die Zukunft in der Massenproduktion und der Industrie liegt, weshalb er sich auf die Entwicklung moderner Architektur konzentrierte.
Johannes Itten hingegen war eher spirituell geprägt und beschäftigte sich intensiv mit esoterischen Ansätzen. Er führte ein verpflichtendes Basissemester im Kunststudium ein, um die individuellen kreativen Potenziale der Studierenden zu fördern. Außerdem entwickelte er den berühmten zwölfteiligen Farbkreis, den man aus dem Kunstunterricht kennt, sowie die Theorie der sieben Farbkontraste, die bis heute als Standard in der Kunstausbildung gelten. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansätze kam es offenbar auch zu Spannungen zwischen Walter Gropius und Johannes Itten. Auf spielerische Art wurden wir in die Thematik eingeführt und durch das Bauhaus geführt. Es gab einen Teil, in dem wir Praktiken von Johannes Itten nachahmten. Dort sollten wir anhand eines Begriffs und eines Blattes Papier diesen Begriff gestalterisch darstellen, jedoch ohne zu zeichnen, ausschließlich mit dem Papier. Ich hatte in diesem Fall den Begriff „Ruhe“. Mir fiel sehr schnell die Möbiusschleife ein, da sie eine Struktur ohne Anfang und Ende ist und somit Unendlichkeit symbolisiert. Ich persönlich finde, dass man damit Ruhe gut darstellen kann, da Unendlichkeit auf mich ruhig und durchgängig wirkt. Andere Begriffe meiner Mitschüler waren zum Beispiel „schwer“, „leicht“ oder „Chaos“. Wir betrachteten außerdem verschiedene Darstellungen des Menschen aus der damaligen Zeit und sollten uns eine auswählen, die wir besonders interessant fanden. Darunter befanden sich Darstellungen einer übermäßigen Technisierung, also eines maschinellen Menschen, aber auch humanistische Motive und viele weitere Ansätze.
Am Ende der Tour sollten wir schließlich unser eigenes Haus beziehungsweise einen Wohnkomplex entwerfen, den wir als sinnvoll erachteten oder nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten wollten. In der anschließenden Diskussion erklärten wir, warum wir uns für diese Gestaltung entschieden hatten. So sollte ein besseres Verständnis dafür entstehen, wie moderne Architektur zu dieser Zeit gedacht wurde. Generell konnte man außerdem viele Designs und Werke betrachten, die man aus Haushalten oder anderen Orten wiedererkennt, da sie ursprünglich im Bauhaus entwickelt wurden. Um ein Beispiel zu nennen: Die typischen Holzstühle, die wir aus der Schule kennen, waren dort ebenfalls ausgestellt. Nach einer etwas längeren Pause ging es weiter mit dem Programm. Wir besuchten das Deutsche Nationaltheater Weimar, um uns das Theaterstück Die Leiden des jungen Werthers von JohannWolfgang von Goethe anzuschauen. Ohne zu viel zu verraten, handelt es von Werther, der, wie im Titel angedeutet, mit seinen inneren Leiden kämpft und meiner Interpretation nach zwischen Wahnsinn und seiner Liebe zu Charlotte steht. Aufgrund der nicht erwiderten Liebe zu Lotte begeht er Suizid, so jedenfalls mein Eindruck. Man könnte das Stück auch so interpretieren, dass die verschiedenen Werther-Figuren unterschiedliche Zeitpunkte darstellen, die auf der Bühne zusammengeführt werden, um sein Leiden und seinen zunehmenden inneren Zerfall besser darzustellen. Ich persönlich kann das Stück weiterempfehlen, denn es ist spannend und nicht sofort durchschaubar, vor allem wenn man das Buch vorher nicht gelesen hat.
Am zweiten Tag, nachdem wir gegen 10:00 Uhr aus dem Hostel ausgecheckt hatten, brachte uns der Busfahrer mit dem Reisebus zur Gedenkstätte Buchenwald. Wichtige Informationen vorweg: Das Konzentrationslager Buchenwald wurde 1937 bei Weimar errichtet und war eines der größten Konzentrationslager Deutschlands. Insgesamt kamen dort etwa 56.000 Menschen durch Zwangsarbeit, Hunger, Misshandlungen und gezielte Tötungen ums Leben. An der Gedenkstätte angekommen, begaben wir uns in einen Raum, in dem wir einen Film anschauen sollten. In diesem Film berichteten Zeitzeugen und Opfer der NS-Zeit von ihren bedrückenden und schrecklichen Erlebnissen. Besonders eindrücklich war für mich die Aussage eines Überlebenden, der erklärte, dass es einfacher gewesen wäre aufzuzählen, was Häftlinge durften, als das, was sie nicht durften, da es davon so wenig gab und man schneller fertig gewesen wäre. Der Film machte deutlich, unter welchen unmenschlichen Bedingungen die Menschen im Lager leben mussten. Nach dem Film teilte sich die Stufe in drei große Gruppen auf. Einige unserer Mitschüler übernahmen die Rolle der Tourguides, da sie sich zuvor im Rahmen des Geschichtszusatzkurses intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und die Führung vorbereitet hatten. Dazu gehörten Liz Siemons, Max Mayer, Telmo Pereira Santos, Ötzkan Öztürk, Michael Munt, Luis Sonnet, Iman Mohamed und Rebecca Fassbender. Wir besuchten fünf verschiedene Einrichtungen, darunter die SS-Unterkünfte für die SS-Soldaten, die sehr systematisch in Reih und Glied standen. Eines verwunderte mich jedoch: Teilweise sah es so aus, als würden die SS-Unterkünfte heute noch genutzt werden, was ich angesichts ihrer Vergangenheit befremdlich fand.
Anschließend wollten wir uns die Ruinen beziehungsweise die Standorte der Baracken anschauen. Diese waren jedoch vollständig vom Schnee bedeckt, weshalb man sie nicht erkennen konnte. Auffällig war jedoch, dass man, je weiter man in das Lager hineinging, desto tiefer lag – im Vergleich zum Eingangstor. Das wurde so angelegt, damit man alles besser beobachten und überwachen konnte. Unsere Tourguides, in meinem Fall Max, Telmo und Ötzkan, konnten uns trotzdem einiges darüber erzählen, wie die Häftlinge untergebracht waren. Sie erklärten, dass die Baracken stark überfüllt und unhygienisch waren, kaum Schutz vor Kälte oder Krankheiten boten und dass viele der Opfer diese Bedingungen nicht überlebten. Der Appellplatz war unser nächster Halt. Es wurde uns erklärt, dass die Häftlinge mehrmals täglich, oft stundenlang, antreten mussten und dass neben dem Zählen der Gefangenen auch Strafen und öffentliche Misshandlungen stattfanden. Im Anschluss daran erreichten wir den Pferdestall beziehungsweise die Stallanlagen. Ursprünglich für Tiere vorgesehen, wurden sie später für Zwangsarbeit und Misshandlungen genutzt und schließlich zur Genickschussanlage umgebaut. Die Genickschussanlage war eine Konstruktion, bei der die Opfer unter dem Vorwand medizinischer Untersuchungen getötet wurden. Durch einen Schlitz in der Wand wurde auf das Genick geschossen, um die Opfer schnell zu töten. Abgesehen davon, dass die Tat an sich grausam und unmenschlich war, bestand ein weiteres Problem: Die Anlage war nicht wirklich verstellbar, was dazu führte, dass das Genick nicht immer perfekt getroffen wurde. Manche Opfer waren noch am Leben, obwohl ihnen in den Nacken geschossen worden war, und litten dabei große Qualen. Daraufhin begaben wir uns zum alten Bahnhof bzw. zu den Gleisanlagen. Man erklärte uns, dass über diesen Weg tausende Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen nach Buchenwald transportiert wurden. Den Abschluss der Führung bildete das Krematorium, in dem die Leichen der Opfer verbrannt wurden. Es war ein sehr bedrückendes Gefühl. Man sah alte Urnen mit Asche, Gedenkschilder und die Öfen, in denen die Leichen verbrannt wurden. Eine Nachbildung der Genickschussanlage konnte man ebenfalls betrachten. Nach der Führung machten wir eine Art Reflexionsrunde, in der wir über das Gesehene sprachen und klärten, welche Aufgabe sich daraus für uns ergibt: solches Grauen zu verhindern, damit so etwas niemals wieder passiert.
Nach der Tour schauten wir uns noch das Buchenwaldmuseum an, wo man ebenfalls viele Eindrücke sammeln konnte, zum Beispiel durch Sprechanlagen, alte Gegenstände aus der Zeit und zahlreiche Berichte. Damit endete auch unsere Bildungsfahrt nach Weimar, und wir fuhren anschließend mit dem Bus zurück nach Jüchen. In meinen Augen war es eine gute Fahrt, da wir Bereiche von Kunst und Architektur bis hin zu Geschichte abgedeckt und vor allem wichtige Themen rund um den Holocaust und die NS-Zeit aufgegriffen und vertieft haben.
Silas-Elijas Otten






